ÖSOZ

Ökosozialismus (Saral Sakar)

http://www.oekosozialismus.net/broschuere.pdf

Buch: Saral Sakar „Die nachhaltige Gesellschaft – Eine kritische Analyse der Systemalternativen“
Rotpunktverlag 2000

Daraus die Einleitung:

Der Kapitalismus scheitert

1989 ist in Europa etwas zusammengebrochen, was viele Linke trotz
einiger Zweifel den Sozialismus nannten (es war ja in den so genannten
sozialistischen Ländern immerhin der Kapitalismus abgeschafft worden).
In China herrscht zwar formal noch die Kommunistische Partei, aber in der
Wirtschaft geht die Restauration des Kapitalismus seit Anfang der 1980er
Jahre auf vollen Touren voran. Anfang der 1990er Jahre konnte man fast
überall auf der Welt das Triumphgeschrei des Kapitalismus hören. Der Philosoph
Francis Fukuyama verkündete vollmundig sogar das „Ende der Geschichte“
– im Sinne von endgültigem, weltweitem Sieg des liberal-„demokratischen“
Kapitalismus über alle anderen Systemideale. Viele konnten
sich keinen Grund mehr vorstellen, warum die gerade angebrochene Ära
des Weltfriedens enden sollte.
Aber dieses Triumphgeschrei dauerte nicht lange. Seit etwa Mitte der
1990er Jahre erleben wir den Beginn einer neuen Phase der Geschichte.
Schon in der ersten Hälfte der 1990er Jahre waren anstelle der erhofften
Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges die unermesslichen
Gräuel der heißen „Neuen Kriege“ getreten – der unendlichen Serie
von kleinen Kriegen der Warlords, Ethnien, Nationalitäten und Staaten (Somalia,
Ex-Jugoslawien, Ruanda, Sri Lanka, Tschetschenien usw.). Seit 2001
erleben wir wieder regelrechte große imperialistische Kriege (Afghanistan,
Irak).
Auch im Bereich der Ökonomie und des Sozialen wird heute das Scheitern
des Kapitalismus als Wirtschaftssystem allmählich unübersehbar. In
fast allen Ländern herrscht Massenarbeitslosigkeit; wo es Wachstum gibt,
handelt es sich meist um jobloses Wachstum. Der Sozialstaat wird allerorten
demontiert. Fast überall ist die Rede von Krisen irgendeiner Art. In
großen Teilen der Welt herrscht bittere Armut. Bürgerliche WirtschaftstheoretikerInnen
sind zunehmend ratlos. Der Keynesianismus war schon
in den 1970er Jahren gescheitert, auch wenn viele unbeirrt an den alten
Rezepten festhalten wollen. Heute erleben wir den Bankrott der jüngsten
ökonomischen Glaubenslehre, des Neoliberalismus. Die wirtschaftliche
Globalisierung ist zu einem Fluch geworden. Es herrscht überall kalter
Ökosozialismus oder Barbarei
Wirtschaftskrieg. Ein Großteil der Menschen lebt in der Angst, morgen die
materielle Lebensgrundlage zu verlieren. Die Kriminalität nimmt rapide zu,
die Suizidraten steigen und immer mehr Menschen sind von psychischen
Erkrankungen betroffen. So sieht kein siegreiches Weltsystem aus. Im
Nachhinein bewahrheitet sich eine Feststellung, die man schon 1989 hören
konnte: „Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, er hat nur überlebt.“
Während bis vor wenigen Jahren die Ideologen des Kapitalismus mit
dem Brustton der Überzeugung sagen konnten, man sei dabei, den Kapitalismus
mit den ökologischen Erfordernissen zu versöhnen, kämpfen sie
heute erbittert gegen auch nur die kleinsten Zugeständnisse an die Ökologie,
wie zum Beispiel gegen die ohnehin viel zu bescheidenen Reduktionsziele
des Kyoto-Protokolls für Treibhausgase. Ökologie ist völlig out.
Auch die Grünen haben sich längst davon verabschiedet, das ökologisch
Notwendige umsetzen zu wollen, und nach und nach geben sie die letzten
noch verbliebenen Ziele auf; so gaben sie bereits vor einigen Jahren das
Ziel der Verkehrswende preis. Was zählt, ist einzig und allein Wirtschaftswachstum.
Aber die Natur ist dabei, sich zu „rächen“ (Friedrich Engels). Sogar
Wissenschaftler des Pentagon (s. im Anhang dieser Broschüre „Viel gefährlicher
als der Terrorismus ...“) warnen uns mit einem apokalyptischen
Zukunftsszenario: Die dramatischen Klimaveränderungen bringen Menschen
und Regierungen in Not. Öl wird knapp, die „friedenssichernden“
Bündnisse erodieren. Blutige Konflikte nehmen zu, Kriege um Rohstoffe,
Wasser und Nahrung verwüsten die Kontinente. Innerhalb weniger Jahre
gerät die Welt an den Rand der totalen Anarchie.
Es besteht kein Zweifel mehr: Der Kapitalismus als Weltsystem scheitert.
Weltweit, auch in Deutschland, ist die allseitige Krise des Kapitalismus
akut geworden. Seine Ideologen sehen keinen Ausweg mehr. Einige von
ihnen erkennen offensichtlich bereits, dass es einen grundsätzlichen Widerspruch
zwischen Ökologie und ihrer Ökonomie gibt und dass es innerhalb
ihres Systems keine Lösung dafür gibt. Schon seit Mitte der 1990er
Jahre sehen wir manche Teile der Welt unter der Last von verschiedenen
Krisen in Krieg, Chaos, ja in Barbarei versinken. Die Anzahl der gescheiterten
Staaten („failed states“) steigt.

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