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Die Gemeinwohl-Ökonomie

Ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft

Buch: „Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber
Das Wirtschaftsmodell der Zukunft
Verlag Deuticke Wien 2010

Inhaltsverzeichnis:

  1. Kurzanalyse
  2. Die Gemeinwohl-Ökonomie - der Kern
  3. Die Demokratische Bank
  4. Eigentum
  5. Motivation und Sinn
  6. Weiterentwicklung der Demokratie
  7. Beispiele und Vorbilder
  8. Umsetzung und Strategie für die Zukunft
  9. Häufig gestellte Fragen
  10. ErstunterzeichnerInnen

Die Gemeinwohl-Ökonomie

Ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft

Zusammenfassung v. Christian Felber, August 2010

Die Gemeinwohl-Ökonomie erschien am 16. August 2010 bei Deuticke als 150-Seiten-Buch.
Ihre Grundlagen wurden in „Neue Werte für die Wirtschaft“ (Deuticke 2008) erarbeitet.
Seither wurde das Modell rund 50mal bei Vorträgen vorgestellt und mit Hilfe von zwei
Dutzend (Attac-)UnternehmerInnen weiterentwickelt. Die Veröffentlichung in Buchform hat
das Ziel, dem notorischen Diskussions-Dilemma „Wer gegen den Kapitalismus ist, ist für den
Kommunismus“ zu entrinnen und eine konkrete Systemalternative vorzulegen. Im Anhang des
Buches scheinen knapp 70 Unternehmen als ErstunterzeichnerInnen auf – als Signal, dass
das Modell nicht nur aus dem visionären Elfenbeinturm kommt, sondern auch aus der
unternehmerischen Praxis. Weitere UnterstützerInnen sind herzlich willkommen!

1. Die Gemeinwohlökonomie beruht auf denselben mehrheitsfähigen Werten, die unsere
Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Kooperation, Wertschätzung, Demokratie,
Solidarität. (Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gelingende Beziehungen
das, was Menschen am glücklichsten macht und am stärksten motiviert.)

2. Der rechtliche Anreizrahmen für die Wirtschaft wird von Gewinnstreben und Konkurrenz
umgepolt auf Gemeinwohlstreben und Kooperation. Unternehmerischer Erfolg wird
umdefiniert von Gewinn- auf Gemeinwohlstreben.

3. Das Gemeinwohl wird in einem Demokratischen Konvent definiert und in der Verfassung
verankert. Gemessen wird das Gemeinwohl in der neuen Hauptbilanz aller Unternehmen: der
Gemeinwohlbilanz. Die Gemeinwohlbilanz besteht aus „harten“ = messbaren Kriterien für
soziale Verantwortung, ökologische Nachhaltigkeit, demokratische Mitbestimmung und
Solidarität gegenüber allen „Berührungsgruppen“ (Stakeholder).

4. Die Finanzbilanz wird zur Nebenbilanz. Kapital wird vom Zweck zum Mittel. Es dient
nur noch dazu, den Unternehmenszweck (aller Unternehmen) zu erreichen. Darin enthalten
sind Einkommen aller im Unternehmen Beschäftigten bis zum 20-fachen des gesetzlichen
Mindestlohnes.

5. Die Gemeinwohlbilanz besteht aus verbindlichen Mindeststandards und Anreizen für
freiwillige Höherleistungen. Die sozialsten, ökologischsten, demokratischsten und
solidarischsten Unternehmen erhalten jedoch rechtliche Vorteile und können dadurch ihre –
höheren – Kosten leichter decken: niedrigere Steuern, Zölle, günstigere Kredite, Vorrang
beim öffentlichen Einkauf und bei Forschungsprogrammen, …

6. Bilanzielle Überschüsse dürfen verwendet werden für: Investitionen (mit sozialem und
ökologischem Mehrwert), Rückzahlung von Krediten, Rückstellungen in einem begrenzten
Ausmaß; Ausschüttung an die MitarbeiterInnen (bis zum 20-fachen des Mindestlohns) sowie
für zinsfreie Kredite an Mitunternehmen; nicht verwendet werden dürfen Überschüsse für:
Ausschüttung an Personen, die nicht im Unternehmen mitarbeiten; feindliche Aufkäufe
anderer Unternehmen; Investitionen auf den Finanzmärkten (diese gibt es nicht mehr).

7. Da Gewinn nur noch Mittel, aber kein Ziel mehr ist, können Unternehmen ihre optimale
Größe
anstreben. Sie müssen nicht mehr Angst haben, gefressen zu werden und nicht mehr
wachsen, um größer, stärker oder profitabler zu sein als andere. Alle Unternehmen sind vom
allgemeinen Wachstums- und vom wechselseitigen Fresszwang erlöst.

8. Die Einkommens- und Vermögensungleichheiten werden begrenzt: die Maximal-
Einkommen auf das 20-fache des gesetzlichen Mindestlohns; Privatvermögen auf 10
Millionen Euro; das Schenkungs- und Erbrecht auf 500.000 Euro pro Person; bei
Familienunternehmen auf zehn Millionen Euro pro Person. Das darüber hinaus gehende
Erbvermögen wird als „Demokratische Mitgift“ an alle Nachkommen der Folgegeneration
verteilt: gleiches „Startkapital“ bedeutet höhere Chancengleichheit.

9. Großunternehmen über 250 Beschäftigten gehen teilweise in das Eigentum der
Beschäftigten und der Allgemeinheit über, über 5.000 Beschäftigten zu hundert Prozent. Die
Öffentlichkeit wird durch dafür gewählte Abgeordnete „regionaler Wirtschaftsparlamente“
vertreten. Die Regierung hat keinen Zugriff auf öffentliche Unternehmen.

10. Das gilt auch für die „Demokratischen Allmenden“, die dritte Eigentumskategorie neben
der großen Mehrheit (kleiner) Privatunternehmen und eines kleinen Anteils von gemischtbesessenen Großunternehmen. „Demokratische Allmenden“ sind Grundversorgungsbetriebe im Bildungs-, Gesundheits-, Sozial-, Mobilitäts-, Energie- und Kommunikationsbereich: die „Daseinsvorsorge“.

11. Eine wichtige Demokratische Allmende ist die „Demokratische Bank“. Sie dient wie alle
Unternehmen dem Gemeinwohl und wird wie alle Demokratischen Allmenden vom
demokratischen Souverän kontrolliert und nicht von der Regierung. Ihre Kernleistungen sind
garantierte Sparvermögen, kostengünstige Kredite, ökosoziale Risikokredite sowie kostenlose
Girokonten. Die Finanzmärkte in der heutigen Form wird es nicht mehr geben.

12. Die repräsentative Demokratie wird ergänzt durch direkte Demokratie und partizipative
Demokratie
. Der Souverän muss seine Vertretung korrigieren, selbst Gesetze initiieren und
beschließen und wichtige Bereiche der Wirtschaft – wie die Banken – kontrollieren können.

13. Neben dem demokratischen Wirtschafts- oder Gemeinwohlkonvent werden weitere
Konvente für die Vertiefung der Demokratie einberufen: Bildungskonvent, Medienkonvent,
Daseinsvorsorgekonvent
.

14. Um die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie ähnlich tief in der neuen Generation zu
verankern wie heute das sozialdarwinistische und kapitalistische Menschenbild, schlage ich
fünf neue Pflichtgegenstände vor: Gefühlskunde, Wertekunde, Kommunikationskunde,
Demokratiekunde und Naturerfahrens- oder Wildniskunde
.

15. Da in der Gemeinwohl-Ökonomie unternehmerischer Erfolg eine ganz andere Bedeutung
haben wird als heute und deshalb ganz andere Führungsqualitäten gefragt sein werden,
werden die sozial verantwortlichsten und kompetentesten, die zum Mitgefühl und zur
Empathie fähigen, die über sich hinaus sozial und ökologisch denkenden und fühlenden
Menschen tendenziell nachgefragt werden und als Vorbilder gelten.

Unternehmen, die das Modell gerne unterstützen würden, können sich direkt mit Christian
Felber in Verbindung setzen: www.christian-felber.at
Mit dem Erscheinen des Buches ging auch eine Website online, auf der alle UnterstützerInnen
veröffentlicht werden:
www.gemeinwohl-oekonomie.org

Kapitel 2 "Die Gemeinwohl-Ökonomie" - der Kern"

FactSheets erweiterte Kriterienübersicht der Gemeinwohlbilanz

Niko Paechs Rezession des Buches "Gemeinwohl-Ökonomie"

6 Videos zur Gemeinwohl-Ökonomie